Der Fall "Kuczera vs. Lux aus 2003"


Eine Kurzgeschichte

(von Henning Höllein)

Vorwort

Unsere Oma ist sehr stark dement, also geistig verwirrt. Sie redet zwar normal, aber vergisst wieder alles. Fragt man sie im Winter, welches Datum wohl sein mag, antwortet sie mit Blick auf die kahlen Bäume: Vermutlich Juli oder August!
Soviel zum Verständnis des vorliegenden Ärgernisses.

Wegen der starken Verwirrtheit hat meine Frau, die ihre Enkelin ist, eine Betreuung beim Gericht beantragt. Im Zuge der Vorsorge-Vollmacht haben wir Omas Konto-Auszüge abgeholt und überprüft. Dabei tauchte regelmäßig jeden Monat ein Betrag von knapp 22 Euro auf, den wir uns nicht erklären konnten. Als Empfänger war eine Firma Lux ausgewiesen, mehr konnte die Sparkasse nicht sagen.
Oma wusste natürlich von nichts.

Die Firma

Über das Internet stieß ich auf die Firma Lux (Deutschland) GmbH, bei der ich am 07.02.2003 anrief und mich erkundigte.
Eine Frau L. war sehr nett und hilfsbereit. Sie faxte mir den von Oma unterschriebenen Auftrag für ein Staubsaugerset
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und sagte mir auch zu, die Rechnung noch ausdrucken zu lassen und mir diese sobald wie möglich zu faxen.
Die besagte Rechnung kam am 10.02.03 per Fax.
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Schon der Auftrag ließ mich am selben Tag (07.02.03) nochmals anrufen und ein wenig nachzubohren, wie man denn dort auf welche Preise kommt.
Mir war aufgefallen, dass die ausgewiesene Summe um 102 Euro zu hoch war. Darüber hinaus wurden statt der veranschlagten 22 Euro-Raten jeden Monat 22,09 Euro abgebucht.

Kleiner Exkurs: Nicht, dass ich mich über 9 Cent aufregen möchte, aber bei 23 Raten sind das immerhin 2,07 Euro. Wenn man das bei 1.000 Kunden macht, kommt man mal eben auf 2.070 Euro Extra-Gewinn. Kleinvieh macht ja schließlich auch Mist.

Jedenfalls konnte ich nun den endgültigen Kaufpreis in Erfahrung bringen: stolze 557,07 Euro.
Damit kostet die Ratenzahlung 557,07 Euro - 488 Euro (Barpreis für den Sauger) = 69,07 Euro. Das ist ein Plus von über 14%. Der Effektivzins ist im Vertrag mit 16,3% angegeben.
Wem das noch zu wenig ist, der darf sich beruhigt zurück lehnen. Lux hat sich darüber hinaus noch weiter abgesichert. Kommt der Käufer nämlich mit den Raten in Verzug, darf er nochmal 3% berappen, natürlich über dem jeweils gültigen Basiszins.

Kleiner Exkurs: Ich habe mir natürlich nicht nehmen lassen, das Ganze mal nachzurechnen. Ich gehe dabei von folgenden Parametern aus:

  • 488 Euro Ratenkredit
  • 23 gleiche Raten
  • 22,09 Euro je Rate
  • 557,07 Euro Gesamtsumme
  • 49 Euro Anzahlung
Es ergibt sich genau ein Zins-Tilgungs-Paar, dass alle Kriterien erfüllt:
  1. 37,82% Tilgung bei
  2. 16,5% (Nominal-)Zins
Wie man also seitens Lux auf einen (Effektiv-)Zins von 16,3% kommt, ist mir schleierhaft. Der Effektivzins ist bei Krediten in der Regel höher als der Nominalzins, bedingt durch die gesetzlich festgeschriebene Umrechnungsformel.

Rechnungsabteilung

Am 17.02.03, einem Montag, telefoniere ich mit Frau D. aus der Rechnungsabteilung. Nachdem ich ihr den Sachverhalt kurz schilderte, bat sie mich, ihr die Angelegenheit schriftlich zukommen zu lassen. Ich sagte ihr zu, umgehend ein Fax an sie loszuschicken.

Die Erstellung des Faxes hat dann doch bei mir zwei Tage in Anspruch genommen. Am 19.02.03 erhielt Frau D. also das versprochene Schreiben.
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Am 20.04.04, einem Dienstag, kommt ein Mann von Lux und holt das Gerät endlich ab. Er war zwischenzeitlich zweimal unangemeldet hier aufgetaucht und wollte in die Wohnung. Dabei hat er beide Male unterschiedliche Angaben gemacht (Einmal war er von Lux, einmal war er der Inkasso-Sachbearbeiter). Natürlich hat ihn meine Frau nicht hineingelassen (sie war zu der Zeit allein).

Erst mein Anruf bei Lux konnte klären, dass es sich tatsächlich um den regionalen Sachbearbeiter für Inkassofragen handelt und ich kam mit der Service-Zentrale überein, dass Herr E. sich beim nächsten Mal vorher telefonisch anmeldet. Das hat er dann einen Tag vorher auch getan.

Meine Frage nach der Rückzahlung der von Oma geleisteten Beträge konnte ich durch einen Blick auf den Rückgabe-Vertrag staunend selbst beantworten. Sinngemäß: "Der Kunde verzichtet auf die Rückzahlung bisher gezahlter Beträge und Lux verbucht diese als Schadenersatz." - Keine Frage, dass ich das nicht unterschrieben habe (wurde aber auch nicht gefordert, denn der Vertrag war auf Oma ausgestellt.)

Die Übergabe ging glatt über die Bühne, jedoch hat Herr E. mir dringend geraten, diesen Artikel aus dem Internet zu nehmen. Es hätte sonst rechtliche Konsequenzen.

Anmerkung: Wie bisher sehe ich den angedrohten Konsequenzen gelassen entgegen. Die Frage mit dem Geld ist noch offen. Warten wir mal ab, was passiert.


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